Die Loci-Technik in der Praxis: Warnemünde und PI auf 110 Stellen (Teil 1)

Viele Menschen fragen, wie eine Loci-Route in der Praxis aussieht. Um diese Frage zu beantworten, möchte ich Ihnen in diesem Artikel zeigen, wie ich einen Urlaub im Ostseebad Warnemünde in eine Loci-Route verwandelt habe und wie ich diese Route zum Merken anderer Dinge nutze.

Aufbau eines Spaziergangs

Zunächst einmal handelt es sich bei der Route um einen Spaziergang quer durch die Ortschaft mit insgesamt 55 Punkten. Wir hatten eine Ferienwohnung im Ortskern und der Wagen war in einer Garage westlich vom Zentrum geparkt. So habe ich den Weg zurück genutzt, um ihn in eine markante Route zu verwandeln (und dabei ein paar Umwege gemacht).

Hier können Sie sich die komplette Route auf Google-Maps ansehen!

Gleichzeitig nutze ich diese Route, um mir die Kreiszahl PI auf 110 Stellen (zwei Ziffern pro Merkpunkt / 3,14159265 und so weiter…) zu merken – was nicht gerade praktisch nutzbar ist, aber das Merken der Ziffern hilft gleichzeitig, die Merk-Orte abzusichern.

Darüber hinaus kann ich die Route benutzen, um mir andere Dinge zu merken, indem ich weitere Fakten auf den Punkten ablege, zum Beispiel Einkaufs- oder To-Do-Listen, wichtige Daten oder Inhalte von Powerpoint-Präsentation für Vorträge.

Noch ein Hinweis: Um die Ziffern zu merken, benutze ich das so genannte Majorsystem zum Verbildern von Zahlen. Wenn Sie nicht vertraut sind im Umgang damit, finden Sie hier eine kleine Einführung in zwei Videos.

Ein Kurbad in der Merkpaxis

Sseien Sie bitte nicht verwundert, wenn Ihnen die folgenden Beschreibungen eigenartig vorkommen. Dies ist meine Art, Dinge zu merken, die ganz und gar nicht Ihren Vorstellungen vom Einsatz der Merktechniken entsprechen muss. Trotzdem hoffe ich, Sie zu inspirieren, damit Sie sich weiter mit diesen Wunderbaren Mnemotechniken beschäftigen.

Diese Beschreibung soll Ihnen zeigen, wie eine Route aufgebaut und eingeteilt ist. Außerdem bekommen Sie einen Eindruck, wie das Majorsystem benutzt und die Begriffe an den Orten mental abgelegt werden (womit viele Menschen am Anfang Probleme haben). Mit der Beschreibung werden Sie jedoch nicht in der Lage sein, selbst die gleichen Informationen zu merken. Das hier ist nur ein Beispiel . Sie müssen schon selbst losziehen, Ihre eigene Route aufbauen und dort hinein zum Beispiel die Zahl Pi konstruieren.

Und schon geht es los!

  1. Erster Punkt ist eine Garagenanlage westlich des Ortskerns. Ich fahre mein Auto durch ein Tor (14), um meinen Wagen in einer der Garagen abzustellen („Tor“ ist der Majorbegriff für die Zahl 14 – den ersten beiden Stellen der Zahl Pi nach dem Komma). Die 3 vor dem Komma kann man sich ohne die Hilfe von Merktechniken merken – denke ich, oder?
  2. Wenn man die Anlage verlässt, führt die Straße durch einen sehr engen Knick (zweiter Punkt), der die Form von einem Tal (15) hat.
  3. Auf der linken Seite befindet sich ein Gehege, in dem Gänse und Hühner gehalten werden. Ich stelle mir vor, dass ich meine Hose hochkrempeln muss, um dort durch zu gehen, damit die Hose nicht dreckig wird. Dabei wir jedoch mein Bein (92) dreckig.
  4. Weiter auf der rechten Seite befindet sich ein kleines Wohngebiet, in dem sich auch eine Schule (65) befindet (nur gedacht, denn in Wirklichkeit ist dort keine Bildungsanlage).
  5. Die nächste Station ist eine Hauptstraße, die ich überquere. An der Stelle befindet sich eine Bushaltestelle, wobei ich mir vorstelle, dass die Haltestelle aussieht wie eine Mühle (35).
  6. Danach führt der Weg durch eine Hotelanlage in Richtung Strand. Die kleinen Zimmer mit den Balkonen erinnern mich an die Wabe (89) in einem Bienenstock.
  7. Dann gehe ich weiter auf die Promenade, wo ein Kind seine Kappe (79) vergessen hat.
  8. Nächste Station ist der Strand, der bis auf einen einzelnen Mann (32) völlig verlassen ist.
  9. Danach führt mich mein Weg wieder weg vom Meer, dabei gehe ich an einem riesiger Klettergerüst vorbei auf dem eine Möwe (38) sitzt.
  10. Nächste Station ist ein Strand-Restaurant. Aus dem Schornstein kommt jede Menge Rauch (46).
  11. Am Ende des kurzen Wegs durch die flachen Dünen steht in einer Nische (26) ein Kiosk.
  12. Und ich laufe quasi direkt auf das Schwimmbad von Warnemünde zu, dass heute ausnahmsweise mal mit Rum (43) gefüllt ist – man kann die begeisterten Rufe der alkoholisierten Gäste sogar draußen hören.
  13. Auf der rechten Seite befindet sich ein Grillrestaurant, in dem statt Hühner die Möwe (38) von vorhin auf dem Grillspieß steckt – nur, damit ich mir die nächsten Ziffern merken kann.
  14. An der nächsten Station – dem Hotel Neptun – geht der Mann (32) dem ich vorher am Strand begegnet bin, in dem Moment zur Rezeption, als ich vorbei spaziere.
  15. Auf der anderen Straßenseite gegenüber befindet sich ein Musikgeschäft. Der Verkäufer im Laden trägt eine Kappe (79).
  16. Daneben ist die Einfahrt zu einer Tiefgarage. Weil diese geschlossen ist, hängt quer über die Straße gespannt ein Lasso (50).
  17. Das Kurhaus, direkt hinter der Garageneinfahrt ist so riesig, dass Besucher am Eingang ein Navi (28) bekommen, damit sie sich nicht verlaufen. Was für ein Prachtbau!
  18. Im Garten hinter dem Kurhaus brennt ein riesiges Feuer (84).
  19. Weiter auf dem Weg in Richtung Kurpark ist die Straße versperrt durch Poller aus Metall, die aus dem Boden fahren. Das erinnert mich an das Ausdrücken einer Tube (19) mit Zahnpasta.
  20. Zu Sicherheit ist der Eingang in den Kurgarten von dieser Seite zusätzlich mit einer Kette (71) versperrt – heute scheint ganz Warnemünde geschlossen zu sein.
  21. Im Spielplatz in der Mitte des Parks hält ein Schupo (69) Wache, dass den Kindern nichts passiert.
  22. Ich gehe quer durch den Kurpark und passiere eine Bushaltestelle, wo der Mob (39) auf den Bus wartet.
  23. Hinter der Haltestelle befindet sich ein Restaurant, das im Namen ein Synonym zum Thema „Essen“ trägt. Ich stelle mir vor, wie dort Würstchen serviert werden, die so groß wie ein Baum (93) sind.
  24. Dahinter auf der Ecke des Kirchplatzes steht eine Bäckerei mit Café. Dort schlagen die Angestellten mit einer Keule (75) auf den Tisch (was sie natürlich in Wirklichkeit nicht tun), aber…
  25. …ich nehme meine Tasse (10) und trinke diese auf dem Zebrastreifen, der auf die andere Straßenseite führt.
  26. Dort befindet sich ein Friseur, wo gerade ein Löwe (58) frisiert wird.
  27. Die Bank hinter dem Friseur hat eine elektrisch Glas-Schiebetür, in der meine Nase (20) hängen bleibt, als ich Geld abheben will.
  28. Im Supermarkt gegenüber wird kräftig auf die Pauke (97) geschlagen, um Kunden anzulocken.
  29. Mir ist das zu laut und ich schaue noch schnell bei der Post nebenan vorbei, wo eine Raupe (49) in der Schlange wartet.
  30. Mir dauert das zu lange und ich überquere die Straße und schaue mir die Kirche an, dessen Turm mich an ein riesiges Rohr (44) erinnert – warum auch immer, denn der Turm ist eigentlich eckig. Trotzdem bleibt diese Vorstellung zuverlässig im Kopf hängen.
  31. Wieder über die Straße ist in der Ecke des Platzes eine Apotheke, in der gerade ein Medikament mit einer Lupe (59) untersucht wird.
  32. Schräg neben der Apotheke steht eine Telefonzelle und darin telefoniert Kapitän Nemo (23) gerade mit der Nautilus (der Navigator ist seekrank und der Kapitän erklärt den Weg nach Warnemünde).
  33. Das Scheren- und Messergeschäft daneben hat eine Sonderaktion: Es gibt einen Sack (07) voll Scheren zum halben Preis – da sagen wir nicht nein, obwohl das Ding ziemlich schwer ist. Und wir haben noch ein langes Stück der Route vor uns…
  34. Nächste Station ist ein Döner-Kiosk neben dem Museum, wo es nach Fett (81) riecht.
  35. Und vor dem bereits erwähnten Museum steht ein Chor (64) und macht Musik.
  36. Schräg gegenüber ist die Touristeninformation wo, (und jetzt wird es exotisch) auch Kurse für Sushi (06) angeboten werden. Auch das bleibt hängen, wenn man sich vorstellt, wie in der Information roher Fisch unter die Nasen von Touristen gehalten wird.
  37. Im Spielzeugladen nebenan gibt ein – wieder einmal – ein Navi (28) zum Sonderpreis.
  38. Gegenüber befindet sich eine winzige Passage und eine Lampe über dem Eingang wirft einen Schein (62) auf den Fußboden. Drinnen steht übrigens ein hübsches Aquarium, aber das hat zunächst einmal keine Funktion, obwohl gerne Dinge da hineinwerfe, wenn ich mir an dieser Stelle etwas merken will.
  39. Im Bäckerladen daneben – wieder zurück in Richtung Kirchplatz – ist man sehr reinlich und wäscht sich regelmäßig die Hände mit Seife (08).
  40. Das Immobilienbüro hat wenige Kunden, und deswegen weint der Verkäufer drinnen wie ein Baby (99).
  41. Nächste Station ist ein Restaurant in der Straße parallel zur Hafeneinfahrt, wo – natürlich – Fisch (86) als bestes Gericht angeboten wird.
  42. Der kleine Platz direkt dahinter wird von einem Brunnen geschmückt, der mit kleinen Bronzefiguren geschmückt ist. Allerdings findet man den Platz nur, wenn man ein Navi (28) hat – das dritte Navi in dieser Geschichte. Erinnern Sie sich noch an die anderen beiden?
  43. Ein paar Meter weiter die Straße hinauf in Richtung Strand steht ein wunderbares Fachwerkhaus, dessen Fassade bedenklich in die Straße hinein ragt. Deswegen hält ein Sumo(-ringer) (03) dagegen, damit das Haus nicht zusammen bricht.
  44. Auf der anderen Straßenseite weiter in Richtung Strand gibt es einen Nachtclub. Beliebtes Spiel dort ist Hula-Hoop mit einem Reif (48).
  45. Der Einrichtungsladen an der nächsten Kreuzung verkauft viele Dinge, die direkt vom Nil (25) stammen.
  46. Vor dem Kino steht ein Mohr (34) – warum auch immer, aber er ist durchaus merkwürdig.
  47. Und auf dem Platz direkt dahinter neben dem Leuchtturm steht eine echte Niete (21).
  48. Und weil das kein schöner Anblick ist, gönnen wir uns eine Pause an der Theke (17) im Hotel, das sich direkt an dem Platz befindet.
  49. An der Strandseite des Platzes liegt ein modernes Restaurant, in dem auch Sushi (06) angeboten wird – gemacht von den Mitarbeitern aus der Touristen-Information.
  50. Daneben gab es eine riesige Pfütze – vermutlich keine konstante Einrichtung des Ostseebades, aber riesig, als wird dort im Urlaub waren. Auf der Wasseroberfläche schwimmt eine Kappe (79).
  51. Und weil wird nass geworden sind, als wir die Kappe aus dem Wasser gezogen haben, trocknen wir uns mit einem Fön (82) in der bekannten Standhalle nebenan.
  52. Raus und weiter geht’s zum alten Leuchttum, vor dem ein Tor (14) steht, durch das wir einen Ball schießen, um dann gleich weiter zu laufen…
  53. …nämlich die Treppe hinunter wieder in Richtung Hafen, während neben und ein Fass (80) die Stufen hinunter poltert.
  54. In den kleinen Bars und Restaurants dahinter wird wieder Fisch (86) verkauft.
  55. Und schließlich enden wir auf der Mole (dem Eingang zum Yachthafen), die ganz und gar aus einer Latte (51) gemacht ist.

Und hier noch einmal der Link zur kompletten Karte auf Google-Maps.

Einfach so merken? Tatsächlich einfach!

Und damit sind wir am Ende meines kleinen Spaziergangs durch Warnemünde. Sie werden sich die Frage stellen: Lohnt sich der Aufwand? Lässt sich so etwas leichter merken, als die 110 Stellen von Pi einfach so zu lernen? Ich kann Ihnen nur empfehlen: Machen Sie Urlaub, bauen Sie sich selbst eine Route auf und verpacken Sie so viele Ziffern und gut merkbare Bilder und Sie werden selbst die Erfahrung machen, dass Merken mit Hilfe von Merktechniken viel einfacher ist. Ich habe es bisher niemals probiert, aber ich glaube, dass ich Pi auf 110 Stellen ohne Merktechniken niemals so leicht merken könnte.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Experimentieren!

Weiterführende Informationen & Links

(c) Copyright 2010 by Ulrich Bien
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Mehr über lernen, merken und wissen finden Sie hier:

Einfach. Alles. Merken: Geniale Merktechniken für ein perfektes Gedächtnis. Plus DVD: Der Kompakt-Kurs zum Anschauen – von Ulrich Bien

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